Marktkommentar : Small and Mid Caps: Investmentopportunitäten mit langfristigem Outperformancepotenzial

Patrick Kümmel
Leiter des Investment OfficeLUNIS Vermögensmanagement AG
Im aktuellen Niedrigzinsumfeld in dem viele Euro-Anleihen negative Renditen ausweisen, suchen Anleger händeringend nach Investmentalternativen.

In Folge dessen scheinen Aktien mit dem Investmentziel realer Kapitalerhalt fast alternativlos. Allerdings agieren Investoren aktuell im angespannten geopolitischen Umfeld (beispielhaft erwähnt seien Handelskonflikte, Brexit oder Proteste in Hongkong) verbunden mit sich verschlechternden Wirtschaftsindikatoren vorsichtig. Dies belastete verbunden mit einer höheren Verschuldung und dem schlechteren Zugang zu den längerfristigen Anleihemärkten vor allem kleinere Unternehmen in den USA, die sich in den letzten Monaten schlechter als große entwickelten, da ein langsameres Gewinnwachstum befürchtet wird.

Nichtsdestotrotz bieten sich für langfristig orientierte Investoren auch weiter sehr interessante Investmentopportunitäten. Zur Portfoliobeimischung sollte der Blick auf sogenannte Small und Mid Caps gerichtet werden. Dabei handelt es sich um Unternehmen mit kleinerer und mittlerer Marktkapitalisierung. Eine genaue Definition dazu gibt es nicht und die Übergänge sind fließend. Als Richtwert haben sich für europäische Mid Caps Marktkapitalisierungen zwischen 0,5 und zwei Mrd. Euro und für Small Caps weniger als 0,5 Mrd. Euro etabliert, während in den USA auch noch Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 10 Mrd. US-Dollar zu den kleineren Unternehmen zählen.

Diese Unternehmen weisen zwar langfristig meist höhere Schwankungsbreiten auf, dennoch sollten sie sich für langfristig orientierte Investoren als eine interessante Portfoliobeimischung erweisen. Historisch gesehen zeigen sie gegenüber größeren Unternehmen ein deutliches Outperformance-Potenzial, was auch künftig der Fall sein sollte.

Die Ursachen für das Outperformance-Potenzial sind vielfältig. Beispielhaft erwähnt seien folgende:
  1. Kleinere und mittlere Unternehmen werden in der Regel von weniger Analysten analysiert, weshalb dieses Marktsegment höheren Ineffizienzen unterliegt. Während großkapitalisierte Unternehmen meist von 20 und mehr Analysten betrachtet werden, sind dies bei kleineren amerikanischen Unternehmen oft weniger als 10 Analysten und bei europäischen mit weniger als eine Mrd. Euro Marktkapitalisierung nicht selten auch nur ein Analyst.

  2. Übernahmen erweisen sich als weiterer Performancetreiber. Große Unternehmen suchen nach innovativen kleineren Unternehmen, um Ihr Portfolio zu ergänzen oder sind auf der Suche nach Synergiepotenzialen. Dafür sind sie bereit, Aufpreise zu zahlen.

  3. Kleinere europäische Unternehmen erweisen sich oft in ihrem Bereich als sog. „hidden Champions“. Das Geschäftsmodell ist meist einfach zu überblicken und weist hohe Markteintrittsbarrieren aus. Da sie sich oft in einer Frühphase ihrer Entwicklung befinden, zeichnen sie sich in der Regel durch starke Expansion mit soliden Wachstumsraten und Cashflows aus.

  4. Auch wenn sich einzelne kleinere Unternehmen als volatiler erweisen als größere bieten sie im Portfoliokontext Diversifikationsmöglichkeiten. Die Entwicklung weist geringere Korrelationen auf und unterliegt im Gegensatz zu größeren Unternehmen weniger stark internationalen Kapitalmarktströmungen, da diese mehrheitlich von unternehmensspezifischen Nachrichten und Entwicklungen abhängig sind.

  5. Zudem besitzen Nebenwerte häufig Ankeraktionäre (strategische Investoren oder Gründungsmitglieder), die am langfristigen Erfolg des Unternehmens interessiert sind und auch in volatilen Marktphasen an ihrem Investment festhalten.

  6. Insbesondere in Bezug auf amerikanische Small und Mid Caps könnte sich der Handelskrieg sogar positiv auswirken, da neue inländische Lieferanten gesucht werden könnten, um Lieferkettenprobleme zu schließen. Zudem sind diese noch immer recht stark auf den Heimatmarkt fokussiert, auch wenn sich deren Auslandsumsatzanteil in den letzten Jahren auf ca. 20% verdoppelt hat. Weiterhin sollten sie sich als größter Nutznießer der Steuersenkungen erweisen und durch den geplanten Bürokratieabbau in den USA profitieren. Darüber hinaus sind sie vor allem durch organisatorisches Wachstum gekennzeichnet während größere Unternehmen ihre Gewinne weiter stark durch (teils fremdfinanzierte) Aktienrückkäufe steigern. Das Segment hat in den USA ein ähnliches Marktvolumen wie der gesamte europäische Aktienmarkt und ist sogar ähnlich liquide.
Wichtig erscheint hier nochmal der Hinweis, dass kleinere und mittlere Unternehmen höherer Volatilität unterliegen als größere. Dafür haben sie allerdings deutlich höhere Umsatz- und Gewinnentwicklungen (im Durchschnitt ca. doppelt so hoch), sodass sie insgesamt ein höheres Risk-Return-Verhältnis aufweisen. Insgesamt empfiehlt sich insbesondere für Privatanleger die breit diversifizierte Investition in ausgewählte aktive Fondskonstrukte, da die Investments dadurch weniger volatil sind und speziell in diesem Marktsegment aktives Management einen Mehrwert generiert.

Disclaimer: Der Marktkommentar stellt die Meinung des jeweiligen Verfassers dar und nicht die der Redaktion von biallo.de. Ferner sind die im Marktkommentar formulierten Inhalte keine konkreten Handlungsanweisungen für den Umgang mit Wertpapieren. Jegliche Investitionsentscheidung, die aus dem Marktkommentar durch den Kunden abgeleitet wird, basiert ausschließlich auf dem eigenen Ermessen des Kunden.


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